Heiratspläne: Wie kommt man von 0 auf 10.000 Euro in 2 Jahren?

Ein Szenario vom letzten Sommer: An einem wundervollen Samstag wandere ich mit einem Rudel lieber Freunde einen Berg in den Alpen hinauf. Die Sonne scheint, die Vögel singen, alle sind guter Laune und man unterhält sich angeregt. Da erzählt mir einer meiner Besten, dass seine Freundin gern spätestens mit 30 unter der Haube sein will – das wäre dann in etwa 2 Jahren.

Wir scherzen und lachen und spinnen uns aus, wie die Hochzeit werden soll. Ein Schloss oder eine Burg am liebsten in den nahegelegenen Bergen, ein ganz bestimmtes Outfit für den Bräutigam, ein sicherlich nicht weniger kostspieliges Outfit für die Braut, die Gäste natürlich bestens versorgt und am Ende soll es auf eine unvergessliche Hochzeitsreise gehen. „Rumänien oder Bulgarien“, denkt der Kumpel laut. „Bali oder Jamaica“, rate ich ihm mit seiner Braut vor dem inneren Auge.

„Es wird also die klassische 10.000-Euro-Hochzeit“, überschlage ich im Kopf. „Da kannst Du ja schon mal anfangen zu sparen, wenn Du 10.000 Euro in 2 Jahren zusammenhaben willst.“ Er schaut mich irritiert an, denkt kurz nach: „Ach, Du kennst mich doch, das mach‘ ich ganz entspannt auf Kredit!“ Wir lachen, schwitzen und als wir an der Hütte ankommen, setzen wir uns mit einem kühlen Gösserradler in den Sonnenuntergang.

Was mich seither nicht loslässt ist die Frage: Muss es wirklich auf Pump sein? Klar, 10.000 Euro wachsen in 2 Jahren nicht auf den Bäumen. Aber wie könnte ein Konstrukt aussehen, um die ausstehenden 2 Jahre optimal zu nutzen? Welche Investitionen sind nötig, welche Sparrate, welche Risiken? Wie kann man es schaffen, dass die zwei nicht ausgerechnet in der Familienplanungsphase auf einem Schuldenberg sitzen – oder zumindest auf einem so kleinen, dass die Belastung minimal ist?

Kosteneinschätzung: Was kostet eigentlich so eine Hochzeit?

Ich habe von Hochzeitskosten ja keine Ahnung … aber gehen wir davon aus, dass 30 Gäste kommen.

Sagen wir, die Hochzeitsbekleidung des anspruchsvollen Brautpaares kostet 3.000 Euro, die Location 2.000 Euro, das Catering und Deko 2.000 Euro, die ganze Zeremonie (ohne Kirche) um die 1.000 Euro, Fotograf 1.500 Euro, das geliehene Traumauto 500 Euro und die Grundkosten für die Flüge nach Bali plus ein paar Cocktails rund 1.500 Euro. Kommen wir auf 11.500 Euro, also sogar ein bisschen drüber.

Sagen wir, jeder der 30 Gäste schenkt Geld, und zwar durchschnittlich 35 Euro p.P., dann kommen wir auf knapp 1.000 Euro. Das geliehene Traumauto wünscht man sich von Braut- oder Bräutigam-Eltern. Summa summarum beträgt die benötigte Summe also, wie angenommen, ziemlich genau 10.000 Euro.

 

Konstrukt 1: Stumpf den vollen Betrag zusammensparen

(EUR 10.000):24 Monate = 415 Euro / Monat aufs Tagesgeldkonto überweisen. Autsch!

Einschätzung: sicherste Variante, bei der man nach 2 Jahren das Thema von der Backe hat, aber auch monatlich die schmerzvollste. Und 415 Euro musst Du erstmal monatlich zusammenbringen … Unabhängig davon, dass dieses Geld definitiv NICHT für Dich arbeiten wird.

Konstrukt 2: Die Hälfte zusammensparen

Am angenehmsten wäre es vermutlich, 4 Jahre lang einen möglichst konstanten Betrag zu bezahlen. Wenn bei den 10.000 Euro genau die Hälfte auf Kredit läuft, dann müsste sich der Betrag vorher wie nachher ungefähr gleich ausgehen. 5.000 Euro ansparen und 5.000 Euro leihen könnte eine Alternative sein, die sich monatlich nicht ganz so schmerzlich anfühlt:

(EUR 5.000):24 Monate = 208 Euro / Monat aufs Tagesgeldkonto überweisen.

Einschätzung: Eine schon etwas angenehmere Mischrechnung, die etwa 158 Euro Extrakosten (Kredit bei 3,0%) verursacht, sprich: vorher 208 Euro pro Monat zurücklegen und dann 2 Jahre lang etwa 215 Euro im Monat zurückbezahlen.

Konstrukt 3: Risiko-Investment P2P

Sagen wir, wir sind durchaus bereit, das komplette Geld zusammenzusparen, wollen es aber für uns arbeiten lassen. In 2 Jahren sind natürlich keine Wunder möglich und vom Greifen des Zinseszins-Effektes sind wir noch weit entfernt. Aber: In einer idealen Welt, in der P2P zwar risikobehaftet ist, aber nicht innerhalb der nächsten 2 Jahre vollends den Bach runtergeht und daher eine lukrative Option darstellt, könnte man, bei einem grob geschätzten Zinssatz von 10% innerhalb von 2 Jahren durchaus seine 10.000 Euro zusammensparen – und müsste, ohne Einsatz von Startkapital, „nur“ 377 Euro monatlich ansparen (Vergleich ohne P2P-Zinsen: 415 Euro mtl.). Zumindest sagt mir das der großartige Sparrechner von https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php.

Sparrate_highriskQuelle: Laut http://www.zinsen-berechnen.de wird der monatliche Sparraten-Betrag mit steigendem Zinssatz schon deutlich geringer.

ABER: Das Risiko, dass das gesamte oder mindestens ein Teil des Geldes einfach weg ist, ist durchaus gegeben. Sei es durch einen Niedergang einzelner P2P-Plattformen, durch den vollumfänglichen Ausfall von Anbahnern, durch irgendwelche kruden IT-Problematiken (wie man sie durchaus in Erfahrungsberichten von P2P-Kreditgebern finden kann) oder weil Buyback morgen auf Staatsebene verboten wird …

Sprich: Ein solches „Risiko-Ansparen“ ist wie immer ein zweischneidiges Schwert und wer sich freut, dass die Rendite unserem Brautpaar zumindest ein wenig unter die Arme greift, muss sich gleichzeitig vor Augen halten, dass im schlimmsten Fall ein Teil der Gäste das eigene Essen mitbringen, die Braut Second-Hand-Schuhe tragen und die Location vom Schloss in den Partykeller verlegt werden muss.

Konstrukt 4: High Risk max: P2P gehebelt

Falls sich der Bräutigam denkt: „Och, die Hochzeit kann ich mir ja auch gänzlich bezahlen lassen“ und ihm die Idee vom Partykeller sowieso ganz gut gefällt, hat er jederzeit die Möglichkeit, nicht einfach nur in irgendeine Hochrisiko-Anlage hineinzusparen. Stattdessen kann er dafür auch einfach direkt nächste Woche einen Bankkredit aufnehmen, der hoch genug ist, um ihm – nach Abzug der Tilgungskosten – innerhalb von 2 Jahren 10.000 Euro Zinsen einzubringen. Warum nicht für 3 Prozent leihen und für 10 Prozent weiterleihen? Wenn es klappt, ist die Hochzeit wortwörtlich geschenkt. Falls irgendetwas schiefläuft, ist die Hochzeit ebenfalls geschenkt – allerdings im konträren Sinne und aus dem Spanferkel im Ballsaal wird wieder Nudelsalat im Garten. Da dieses Konstrukt arg absurd ist für jemanden, der sowieso bei 0 Euro Startkapital anfängt, führe ich diese Idee nicht weiter aus, aber gerne zur Diskussion an.

Funfact: Die zu beleihende Summe – ohne Abzug von Zinskosten, die in diesem Fall monatlich rund 150 Euro betragen würden – liegt bereits bei rund 62.500 Euro. Rechnet man die Tilgungskosten mit ein, ist die Kreditsumme natürlich bedeutend höher:

von-0-auf-10.000-euro

Quelle: Screenshot von http://www.zinsen-berechnen.de

Konstrukt 5: High Risk max: der unschlagbare Aktien-Insider

Falls es noch nicht genug ist, Geld zu leihen, um es in ein Investment mit halbwegs absehbarer Rendite zu stecken, kann man natürlich auch einen Betrag X leihen und ihn in die Einzelaktie seines Vertrauens investieren. Am besten, wenn man der einzige ist, der die nächste Apple-Aktie kennt. Alles auf ein Pferd setzen und am Ende gibt es Champagner für alle? Klar, aber ein noch höheres Risiko fällt mir momentan nicht ein (Euch vielleicht?) und daher wird auch dieser Ansatz aus Unrealismusgründen nicht weiter ausgeführt.

Konstrukt 6: Hochzeit komplett auf Pump

Witzig, dass mir als letzte Möglichkeit einfällt, dass die Hochzeit auch tatsächlich komplett via Kredit bezahlt werden könnte 🙂

Aber was würde das kosten? Sagen wir, die 10.000 Euro werden auf einmal aufgenommen und die Bank möchte sanfte 3% Zinsen dafür haben – in Anbetracht der Tatsache, dass in den nächsten Jahren die Zinsen ja wieder steigen dürften. Der Kredit wird innerhalb von 5 Jahren zurückbezahlt und soll dann vollständig abgelöst sein. Dann betragen die monatlichen Tilgungskosten 180 Euro und insgesamt kostet der 10.000-Euro-Kredit innerhalb dieser 5 Jahren 10.780 Euro – also 780 Euro mehr für das Leihen des Geldes.

Kreditrate_5 Jahre

Quelle: Screenshot von http://www.zinsen-berechnen.de

Sagt mein Freund aber, er möchte das Geld genauso schnell zurückzahlen wie er es hätte ansparen können, zahlt er natürlich mehr zurück, als wenn er es vorher binnen 2 Jahren angespart hätte. Sprich: wenn er sich zum gleichen Prozentsatz die gleiche Summe leiht, zahlt er monatlich 430 Euro zurück (Vergleich: Um das Geld in 2 Jahren anzusparen, hätte man 415 Euro zurücklegen müssen).

Kreditrate_2 Jahre

Quelle: Screenshot von http://www.zinsen-berechnen.de

Ehrlichgesagt war ich, während ich den Zinsrechner bemüht habe, tatsächlich davon überrascht, dass es immerhin 300 Euro kostet, um das gleiche zu tun, was man vorher auch tun könnte: das Geld, das man braucht, zur Seite zu legen. 300 Euro – das sind die halben Fluggkosten in die Flitterwochen für 1 Person. Just saying.

Habe ich coole Möglichkeiten vergessen? Egal wie realistisch oder unrealistisch – ich freue mich sehr über Deine Idee, um die Konstrukte zu erweitern!

 

 

 

 

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